Gruß zum Karfreitag: „Kein Ort- Kein Platz- Keine Zeit“

„Migranten und die Such nach Platz“

Ein Erfahrungsbericht von Pastor Peter Sorie Mansaray

 

Damals, vor zwanzig Jahren, machte ich meine erste Erfahrung mit der Ausgrenzung von Migranten in Deutschland.

Ich wollte mit Freunden in die Disco gehen, um Spaß zu haben. Doch beim Eintritt hat uns der Türsteher gestoppt, ohne einen Grund dafür zu geben. Wir fühlten uns sehr verletzt und haben mit dem Mitarbeiter energisch diskutiert. Während der Diskussion hat er dann die Polizei gerufen. Wir waren darüber sehr froh, denn wir dachten, wenn die Hüter des Gesetzes kommen, bestätigen sie uns unser Recht auf Eintritt. Zu unserer großen Überraschung haben die Polizisten dann dem Türsteher Recht gegeben und wir durften nicht in die Disko. Für uns war da kein Platz.

Migration ist so alt wie die Menschheit. Menschen haben immer ihre vertraute Umgebung verlassen, um einen besseren oder sichereren Lebensraum zu finden, einen Ort, wo sie sich und ihre Potentiale entfalten können und wo sie unter menschenwürdigen Umständen leben können.

Heutzutage ist Migration nach Europa bzw. Deutschland oft mit Schmerz, mit Ausgrenzung und dem Gefühl des Nicht-gewollt-seins verbunden. In den meisten Fällen wird die erhoffte Verbesserung der Lebensqualität nicht erreicht.

Als afrikanischer Pastor bin ich mit vielen Migranten in Kontakt gekommen, die von ihren Erfahrungen mit dem Nichtgewollt-sein erzählten. Besonders schwer haben es die Flüchtlinge aus Afrika, welche ihr Leben riskieren, um auf dem Seeweg nach Europa zu gelangen. Diese Flüchtlinge sind so verzweifelt, dass nicht einmal das Risiko zu sterben sie daran hindert, dieses Wagnis einzugehen.

Wenn sie es dann schaffen, in Europa anzukommen, werden sie meistens nicht willkommen geheißen, nicht selten sogar misshandelt und oft abgeschoben. Europa ist zu einer Festung geworden und die Hürden für normale Einwanderer sind fast unüberwindbar. Das Elend tausender afrikanischer  Flüchtlinge, die auf diesen Reisen sterben, steht mir vor Augen.

Lässt uns das Leiden dieser Flüchtlinge kalt und gleichgültig? Sind diese Migranten weniger Menschen, nur weil sie ihr Leben riskieren, um nach Europa zu kommen? Sind sie weniger wert, weil sie sich verzweifelt ein besseres Leben wünschen oder auch nur ihr Leben retten wollen?

Migration und Wanderungsbewegungen sind ein Phänomen, mit dem wir lernen müssen zu leben. Ich denke nicht, dass sich das Problem lösen lässt, indem man die Einwanderung erschwert und die Mauern der „Festung Europa“ immer höher zieht  und diese verzweifelten Menschen zu Kriminellen abstempelt.

Wir sind aufgerufen, Propheten für unsere Zeit zu sein, indem wir diese Missstände in unserer Gesellschaft beim Namen nennen. Als afrikanischer Pastor und Migrant werde ich jeden Tag mit den Problemen der Flüchtlinge konfrontiert. Wir dürfen diese Menschen nicht zu Sündenböcken für eine verfehlte Politik machen. Und wir können es uns auch nicht leisten, diejenigen, die wie wir ein Ebenbild Gottes sind, als Menschen zweiter Klasse abzustempeln.

Jesus predigte die Liebe für alle Menschen als Weg zum Himmel. Immer wieder betonte er die Notwendigkeit, Gottes Ebenbild in allen Menschen, besonders in denen, die am Rande der Gesellschaft stehen, zu sehen. Wir dürfen nicht gleichgültig auf die Schreie von Tausenden reagieren, die auf ihrer Flucht nach Europa im Mittelmeer ertrinken.

Als Christen sind wir aufgerufen zu handeln. Jetzt ist es an der Zeit, sich daran zu erinnern, was Jesus in Matthäus 25, 25–30 sagt: Wenn wir die Tür für einen Fremden öffnen, öffnen wir sie für ihn. Ich möchte uns alle ermutigen, niemals zu vergessen, dass Christus in jedem von uns lebt und dass er immer an der Seite der Ausgestoßenen und Benachteiligten war.

Pastor Peter Mansaray